Johann Joachim Winckelmann

(Magdeburgo 1717- Trieste 1768)

 

 

 

 

 

 

Nacque a Magdeburgo nel 1717 e dopo gli studi di teologia divenne bibliotecario in un castello vicino a Dresda, dedito a studi sulla cultura e sull’arte dei Greci.

Nel 1754 si fece cattolico per poter accettare l’invito del nunzio pontificio, che gli aveva promesso una carica di bibliotecario a Roma. Pubblicato il suo primo libro, “Pensieri sull’imitazione delle opere greche nella pittura e nella scultura” (1755), andò a Roma , dove diventò presto famosissimo come archeologo e filologo, fino a essere nominato prefetto delle antichità  di Roma.

Qui scrisse la sua opera principale, “Storia dell’arte dell’antichità” (1764), che costituì il primo ampio tentativo di delineare uno sviluppo storico delle arti figurative. Ne scaturisce un’interpretazione “apollinea” dell’arte antica, il cui contrassegno è  “nobile semplicità e serena grandezza”.

Egli non è da considerare perciò tanto un archeologo quanto il massimo teorico dell’estetica neoclassica: un poeta più che un erudito.

Dopo dodici anni di vita italiana, in cui scrisse in italiano un’opera in due volumi, ”Monumenti antichi spiegati e illustrati” (1767), durante il suo ritorno in Germania interruppe il viaggio per tornare indietro, verso l’unico paese dove per lui era possibile un vivere “pagano”, ma a Trieste fu sgozzato a scopo di rapina.

Si definiva, Winckelmann, il “prussiano fatto romano”. Originò una nuova specie . In lui per primo trovano luogo il bisogno d’assoluto, la fuga verso l’idea, il rifugio estatico in essa che si spiegano nell’idealismo e nel romanticismo, identificandosi con la nostalgia “di un cielo più azzurro, di una esistenza meno aspra”. Se tale è l’amore per l’Italia e per Roma, non può dirsi altrettanto per Napoli. Fin dal suo ingresso nella città resta, potremmo dire, atterrito dal suo strepito, dal concerto di clangori, urla, richiami, voci spiegate, impeti di allegria e di dolore. E poi traffico di carri, carrozze, carrette, veicoli di ogni sorta : come poi dirà Gregorovius, qui ogni tentativo di studio, di meditazione, di ricerca viene annullato . Il fascino della natura non basta a restituire la pace e il silenzio a cui ambisce lo studioso . Del resto gli alberi scarseggiano anche nella Villa Reale . Restano le antichità cavate da Ercolano . Ma qui neanche a parlarne . Divieto tassativo ad accedere ai reperti conservati nelle bacheche di Portici, metodi di scavo che meglio si direbbero rapine, distruzione dei reperti…Lettere e relazioni raggiungono le corti d’Europa, dicono la barbarie di una classe dirigente che nulla sa dei tesori che le è dato avere per le mani. Sospetti, intralci, chiusure poliziesche, quindi la conclusione, dinanzi alla maestà dei templi di Paestum: questa terra, che aveva visto la magnificenza greca, ora dice soltanto Africa. E poi, a far tutto più aspro e inaccettabile, la tentazione di portare questo rifiuto alle conseguenze estreme : Greci di ieri e villani di oggi hanno vissuto sotto lo stesso cielo, solcate le stesse acque, perché i Greci sarebbero stati tanto diversi ? Il clima non serve a spiegare niente, e tanto meno le teorie del Maestro. Napoli può essere perciò assai pericolosa, il cielo ordisce inganni che spregiano le teorie. Il tempo continua a trascorrere accompagnato dal sarcasmo .

“Eccomi tornato a Napoli ricco di osservazioni fatte sopra le scoperte recenti, e da due anni in quà, particolarmente sopra la scena del teatro d’ Ercolano e sopra le abitazioni di sotterrate a Pompei”

 


Man bezeichnete Winckelmann als den “zum Römer gewordenen Preuße”. Er begründete damit eine neue Spezies. Er war auf der Suche nach dem Absoluten, inspiriert vom Idealismus und von der Romantik. Mit der Sehnsucht nach einem besseren Klima, nach “einem blauen Himmel und einer weniger bitteren Daseinsform” entwickelte er eine große Zuneigung zu Italien, insbesondere zu Rom, weniger allerdings zu Neapel. Er war eher unangenehm überrascht vom andauernden Lärm, den überfüllten Straßen und dem unentwegt herrschenden, enormen Verkehrsaufkommen. Die ständige Geräuschkulisse von Wagen, Kutschen und Menschen ließ, wie auch Gregorovius feststellte, keinen Raum zu Meditation und Forschung. Der Zauber der Natur kann nicht den Frieden und die Ruhe ersetzen, derer ein Gelehrter bedarf. Er ist einerseits fasziniert von den archäologischen Schätzen der Städte Herculaneum, Pompeji und Paestum, andererseits enttäuscht von der mangelnden Sorgfalt und Pflege. Über diese mangelnde Pflege der Kunstschätze war man bereits an den anderen Höfen Europas informiert und empört. Und abschließend drängt sich ihm die folgende, fast schon vernichtende Frage auf: Die Griechen von gestern und die Flegel von heute haben doch unter dem gleichen Himmel gelebt, die gleichen Gewässer durchquert; warum also unterschieden sich die Griechen so sehr von diesen?

 

Winckelmann und Italien 

Das Verhältnis von Winckelmann zu Italien ist untrennbar mit der Antike und seiner Leidenschaft für die Antike verbunden. Damit schloss er programmatisch an die in Frankreich am Ende des 17. Jahrhunderts entstandene „Querelle des anciens et des moderne“, an. Für ihn stand fest, dass es ein ästhetisches Ideal nur in Anlehnung an das antike Griechenland geben konnte. 

Italien, das in der Antike zum Großteil griechisch besiedelt war, zu bereisen, stellte für ihn zum einen einen Aufbruch aus dem kleinstaatlich-absolutistischen Deutschland in die Freiheit, zum anderen die einzige Möglichkeit, sich mit der Antike und ihren Schätzen vor Ort beschäftigen zu können, dar. 

Obwohl Winckelmann auch andere Orte als Rom kennen lernte, er reiste auch nach Venedig, Florenz und Neapel, bleibt Italien für ihn in erster Linie Rom. Dies wird insbesondere in seinen Briefen deutlich. 

 

„Gedancken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst 

 

Bereits beim Lesen der ersten Seiten von Winckelmanns 1755 in Dresden entstandenen Werk wird das Ideal, das dieser von der griechischen Antike hatte, offenbar. Neben der Idealisierung tritt auch eine gewisse Naivität hervor. 

Später bekannte Winckelmann selbst einige Fehler in diesem Werk, doch der Grundtenor aus den „Gedancken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst“ wird in der „Geschichte der Kunst des Alterthums“ beibehalten. Der Focus in diesem Werk liegt eindeutig bei der Bildhauerkunst, der Malerei wird eine weniger große Bedeutung beigemessen. 

Es ist zwar ein wenig vermessen, zu behaupten, Winckelmann entwerfe mit seinem Bild der griechischen Antike eine Gegenwelt zu seiner Herkunft, zumal dies nicht belegt ist, trotzdem kann man sich dieses Gedankens nicht erwehren. 

 

Geschichte der Kunst des Alterthums“ 

 

Trotz einiger Mängel in seiner Kunstgeschichte, die zum Teil darauf beruhen, dass Winckelmann nur ein Bruchteil der antiken Schätze zugänglich war, ist sein Einfluss auf die moderne Archäologie und Kunstgeschichte unbestritten. Erstmals wurden durch ihn vier Elemente der Kunstgeschichte verbunden, die heute selbstverständlich scheinen: die Auswahl der betrachteten Gegenstände, deren kulturhistorische Einordnung, der Versuch, sie in eine Stilentwicklung einzuordnen und sie historisch zu verankern. Dazu zählt sowohl die allgemeine Geschichte, als auch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen und Strömungen. Die Beschreibungen Winckelmanns haben ihre Wurzel in der Zusammenarbeit mit dem deutschen Maler Anton Raphael Mengs, den Winckelmann nach seiner Ankunft in Rom kennen lernte und mit dem er freundschaftlich verbunden war. 

Während die griechische Antike und ihr philosophischer Hintergrund in Winckelmanns „Geschichte der Kunst des Alterthums“ nach wie vor positiv bewertet werden - er verlängert in seinem Werk sogar das „goldene Zeitalter“ über den Peloponnesischen Krieg hinaus bis zur Zeit Alexanders -  verkennt Winckelmann die Römer weitestgehend. Augustus wird zwar als Freund der Kunst gewürdigt, bleibt aber eine Ausnahme. Das Motiv der Freiheit, das schon in den „Gedancken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst“ zur Basis der Kunst erklärt wird, wird auch in der „Geschichte der Kunst des Alterthums“ wieder aufgegriffen. 

Die Anhänger Winckelmanns Sicht der antiken Kunst lobten ihn einen „Begründer einer historischen Betrachtung des Griechentums“, seine Kritiker wie der Göttinger Philologe Christian Gottlob Heyne und Johann Gottfried Herder warfen ihm vor, „mehr darauf bedacht ... [gewesen zu sein], eine historische Metaphysik des Schönen ... zu liefern, als auf eigentliche Geschichte“ (Herder).  

Heute bleibt wohl hauptsächlich das Verdienst Winckelmanns um die moderne Archäologie und Kunstgeschichte. Darüber hinaus ist es unerlässlich, sich im Rahmen einer Auseinandersetzung der Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts, mit Winckelmann zu beschäftigen. Immer wiederkehrende Motive der (klassischen) Literatur wie der Laokoon und der Apoll aus dem Belvedere wurden von Winckelmann eingehend im hohen Stil beschrieben und beeinflussten auch die Literatur. Die Figur der Diotima in Friedrich Hölderlins „Hyperion“ kann durchaus als von Winckelmann beschriebene Statue verstanden werden, zumal Hölderlin sich sowohl mit Winckelmann selbst, als auch mit den griechischen Quellen Winckelmanns beschäftigt hat. Bei Jean Pauls Albano in „Titan“ erinnert nicht nur das Äußere an Winckelmann bzw. den Apoll im Belvedere, auch der Name erinnert stark an jenen des Gönners Winckelmanns, Kardinal Alessandro Albani. Die Vergöttlichung der Künstlers, die sich bei Winckelmann findet, ist ebenfalls immer wieder in der Literatur anzutreffen. 

 

Winckelmanns Briefe aus Rom

 

Während seines Aufenthalts in Rom bleibt Winckelmann mit einigen seiner Freunde aus Deutschland in Kontakt, darüber hinaus korrespondiert er mit anderen deutschen Italienreisenden, wie z.B. Baron von Stosch. In seinen Briefen erfährt der Leser wenig über das alltägliche Leben der Bewohner Italiens, dafür aber umso mehr über den Verfasser, dessen Bild von Italien, das Leben im Zentrum der Kuriendiplomatie bzw. das Zusammensein mit Kunstkennern und die archäologische Arbeit. 

Einige Grundmotive tauchen immer wieder in Winckelmanns Briefen auf:

·    Beschreibung der Antiken Kunstwerke, mit denen er sich auseinander setzte

·    Rom als Zentrum der (antiken) Kunst

     Winckelmanns Bekanntschaft mit hochrangigen Kunstkennern und –Sammlern, die meist auch dem Vatikan angehörten

     Die Freiheit, die er in Rom genoss

     Kritik an den Franzosen, welche zum Nachteil der deutschen Gelehrten an den Höfen Europas bevorzugt wurden

     Gelehrtenkritik

     Selbstdarstellung Winckelmanns

Der Start Winckelmanns in Italien war keineswegs so glücklich, wie sich im ersten Moment vermuten lässt. In seinem Brief an Francke im Dezember 1755 äußert er sich begeistert über Bayern und Tirol, wo Umgebung, Unterkunft und Verpflegung keine Wünsche übrig ließen („[...] wo Sauberkeit und Überfluß regiret.“), die Enttäuschung über Venedig („[...] und die Häuser sind hoch, aber sehr schlecht. Es war mir zu kalt in Venedig [...]“) und die Umstände in Italien, die es nur hartgesottenen Menschen möglich machen, dort zu reisen („Man muß allem Eckel entsagen können, um hier zu reisen.“), sind offensichtlich. Auch Rom, das für ihn später den Mittelpunkt Italiens darstellt, erfüllt seine Erwartungen nicht („Es ist eine wahre Einöde [...]“). Zu allem Unglück wurde auch noch ein Teil seiner Bücher beschlagnahmt. Winckelmann vermisst die deutsche Küche, findet aber auch noch ein paar positive Punkte: „der Schatz von Alterthümern“, die „Freyheit“ und die angenehme Temperatur. 

Ein gutes Jahr später hat Winckelmann sich in Rom eingelebt, an seinen Freund Berendis schreibt er im Januar 1757 über den italienischen Wein, der „nicht theuer“ ist, dafür aber gut geeignet „über den Durst“ zu trinken. Seine Unterkunft bei Kardinal Ottoboni ist mit fünf Zimmern großzügig, gleichzeitig gibt Winckelmann damit auch seine Nähe zur römischen Kurie, in diesem Fall zum Kunstmäzen Ottoboni, zum Ausdruck. Seine hohe Bildung und die guten Ortskenntnisse, die er erworben hat, preist er ebenfalls an, „es fehlet an Gelehrten meiner Art“, behauptet er und wünscht sich nichts sehnlicher, als seinem Freund Rom zeigen zu können. Er schwärmt von talentierten Menschen in seinem Umfeld und schreibt ganz offen, dass er sich in einen jüngeren Mann „verguckt“ hat. Ein Thema, das er immer wieder aufgreift, sind die Franzosen, von denen er nicht allzu viel hält, um nicht zu sagen, die er verachtet – der Adressat des Briefs ist eher franzosenfreundlich gestimmt.

Zu guter Letzt berichtet er auch kurz von seiner Arbeit und seinen Plänen, nach Neapel zu reisen, ehe ihm sein Geld ausgeht. Der Bezug zur Heimat ist jedoch nicht nur pekuniärer Art, die Ereignisse im fernen Deutschland interessieren ihn auch in der Fremde, Winckelmann kann durchaus als Patriot bezeichnet werden. 

Sehnsucht nach zu Hause gibt er auch in einem zwei Monate später verfassten Schreiben zu. Wieder schreibt er an seinen Freund Francke, erläutert darin den Stand seiner Arbeit und geizt auch nicht mit Namen berühmter und gelehrter Männer, die er kennt oder die er treffen möchte. Bekanntschaften „mit großen Leuten“ zu machen, sei weitaus einfacher, als wirkliche Freunde unter ihnen zu finden, schreibt er, und begründet diese Tatsache mit der italienischen Mentalität.

Rom ist ihm seit seiner Ankunft sehr ans Herz gewachsen, „ich genieße und nütze Rom“ erklärt Winckelmann, müsste er Abschied nehmen, würde ihm dies inzwischen sehr schwer fallen. Bei aller Schwärmerei schneidet er auch auf, berichtet, er könne problemlos zwischen diversen Bibliotheken wählen, zu denen er allesamt Zugang hat und endet den Brief mit einigen Literaturtipps für seinen Freund, wobei er sich als Kenner der italienischen Literatur zu erkennen gibt. 

Im Mai 1758 schreibt er ein weiteres Mal an Berendis, auch hier tauchen wieder bekannte Motive aus früheren Briefen auf. Ausführlich schreibt er von seiner Reise nach Neapel, seinem Zusammentreffen mit der Königin und seinen Ausflügen von Neapel aus. Die Stadt selbst habe ihm nicht gefallen, wobei diese „bey dem ersten Anblick bezaubert“, ein Zustand, der nicht lange währt. Es ist hektischer als in Rom, im Gewühl der Menge ist durchaus Vorsicht geboten und das Klima ist auch nicht so angenehm, wie das in Rom. Wieder berichtet er von antiken Stellen, die er besucht hat, eine Reise führte ihn zu einer entlegenen Stätte, bei der er vermutet, der erste deutsche Besucher gewesen zu sein.

Mit seinem Werk ist Winckelmann gut vorangekommen, mit der Lesung eines Ausschnitts hat er bei dem Grafen Firmian einen großen Eindruck hinterlassen, was er mit stolz geschwellter Brust seinem Freund mitteilt.

Der Geldmangel ist nach wie vor akut, er schreibt von einem Stellenangebot, welches ihm gemacht wurde und spielt mit dem Gedanken, sich in Rom endgültig niederzulassen, zumal der bisherige Aufenthalt dort ihn so verändert haben, dass er sich „für den [deutschen] Hof nicht schicke“. 

Dies verstärkt sich mit den Jahren noch weiter, im September 1761 schreibt er seinem alten Freund Berendis geradezu schwärmerisch von der Freiheit, die er in Rom tagtäglich genießen kann. Die Mentalität der Menschen in seinem Umfeld bewertet er positiv, „man kennet hier mehr als bey uns worin der Werth des Lebens bestehet; man suchet es zu genießen und andere genießen zu lassen“, berichtet er. Noch einmal geht er auf den Sonderstatus, den er bei zahlreichen Kardinälen genießt, ein, betont aber gleichzeitig, dass er keine Neider und Gegner habe.

Abschließend erwähnt er noch, dass sein Werk „Die Geschichte der Kunst“ im Winter in Druck gehen werde und drückt seine Hoffnung, dass das Buch Aufsehen erregt, aus. 

Ein Jahr vor seiner Ermordung verfasst Winckelmann noch einen Brief an seinen ehemaligen Weggefährten in Rom, den dänischen Bildhauer Johann Wiedewelt. Sein Leben in Rom vergleicht er mit dem eines Königs, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass in Italien „niemand befiehlt und niemand gehorcht“, er ist „fröhlich“ und mit dem „Schicksale zufrieden“. Seine Liebe zu den antiken Kunstwerken ist für ihn nach wie vor das allerwichtigste,  so dass er nach seiner Rückkehr aus Deutschland, wohin er zu reisen gedenkt, plant, eine Reise nach Griechenland zu unternehmen. 

An diesen sechs exemplarisch herausgegriffenen Briefen wird deutlich, wie Winckelmann Italien empfindet, hier muss jedoch ganz klar herausgestellt werden, dass er nur einen Teil des Landes erlebt hat – sowohl geographisch als auch gesellschaftlich. Darüber, inwiefern das hier entworfene Bild tatsächlich der Realität entspricht und nicht nur einen Gegenentwurf für die Situation in Deutschland darstellt, kann nur spekuliert werden. Keiner der Adressaten wird sich in diesen Briefen eine wahrheitsgemäße Schilderung Winckelmanns erwartet haben, zumal in jedem Schreiben im Gegensatz zum Tagebuch nur einige Themen und Erlebnisse beleuchtet werden können.  

 

Rezeption Winckelmanns in Deutschland 

 

Winckelmann gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Klassik in der deutschen Literatur und hat darüber  hinaus zahlreiche Dichter beeinflusst. 

Der bekannteste unter ihnen ist Johann Wolfgang von Goethe, der Winckelmann ein ganzes Buch widmen wollte. Dieses Werk ist allerdings nie verfasst worden, es existiert nur die „Skizze zu einer Schilderung Winckelmanns“, in der sich Goethe mit der Person Winckelmanns auseinandersetzt. 

Gotthold Ephraim Lessing greift mit „Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“ 1766 das Griechenbild und die Kunstanschauung Winckelmanns auf, auch Schillers Charakterisierung einzelner Statuen in seinem „Brief eines reisenden Dänen. (Der Antikensaal zu Mannheim)“ erinnert stark an die Beschreibungen Winckelmanns. Dabei geht Schiller auf Winckelmanns Unterscheidung zwischen der menschlichen Schönheit und der den Göttern vorbehaltenen idealen Schönheit ein. Das Ideal der Antike, welches von Winckelmann geprägt wurde, greift er auch in seinem Gedicht „Die Götter Griechenlands“ wieder auf und stellt dem die Moderne entgegen. 

Wie bereits erwähnt, war Johann Gottfried Herder von Winckelmanns Werk und Person stark beeindruckt. Wenngleich er Winckelmann auch kritisch betrachtete und sich einige Widersprüche in seinem Verhältnis zu Winckelmann finden, widmete er ihm 1778 dennoch eine Lobschrift. Weitere Werke dokumentieren die intensive Auseinandersetzung mit Winckelmann. 

Ähnlich wie Herder hatte sich auch Friedrich Schlegel zum Ziel gesetzt, „der Winckelmann“ der Dichtkunst zu werden. Dass er sich mit Winckelmann und dessen Werk beschäftigt hatte, wird im Fragment 149, das er in der von ihm und seinem Bruder herausgegebenen Zeitschrift Athenäum veröffentlichte, offensichtlich. „Der systematische Winckelmann, der alle Alten gleichsam wie einen Autor las, alles im ganzen sah, und seine gesamte Kraft auf die Griechen konzentrierte, legte durch die Wahrnehmung der absoluten Verschiedenheit des Antiken und des Modernen, den ersten Grund zu einer materialen Altertumslehre.“, schreibt er über das Verdienst Winckelmanns. 

Die Aufzählung von Dichtern ließe sich noch weiter führen, neben den bereits erwähnten Friedrich Hölderlin und Jean Paul haben sich unter anderem auch Friedrich Schlegels Bruder August, der Romantiker Novalis, Wilhelm von Humboldt und Georg Wilhelm Friedrich Hegel mit dem Werk und der Person Johann Joachim Winckelmanns auseinander gesetzt. 


Der Apollo von Belvedere

Johann Joachim Winckelmann

 

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Die Statue des Apollo ist das höchste Ideal der Kunst unter allen Werken des Alterthums, welche der Zerstörung derselben entgangen sind. Der Künstler derselben hat dieses Werk gänzlich auf das Ideal gebauet, und er hat nur eben so viel von der Materie dazu genommen, als nöthig war, seine Absicht auszuführen und sichtbar zu machen. Über die Menschheit erhaben ist sein Gewächs, und sein Stand zeuget von der ihn erfüllenden Größe. Ein ewiger Frühling, wie in dem glücklichen Elysien, bekleidet die reizende Männlichkeit vollkommener Jahre mit gefälliger Jugend, und spielet mit sanften Zärtlichkeiten auf dem stolzen Gebäude seiner Glieder. Hier ist nichts Sterbliches, noch was die Menschliche Dürftigkeit erfordert. Keine Adern noch Sehnen erhitzen und regen diesen Körper, sondern ein Himmlischer Geist, der sich wie ein sanfter Strohm ergossen, hat gleichsam die ganze Umschreibung dieser Figur erfüllet.

 

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Ich vergesse alles andere über dem Anblicke dieses Wunderwerks der Kunst, und ich nehme selbst einen erhabenen Stand an, um mit Würdigkeit anzuschauen. Mit Verehrung scheint sich meine Brust zu erweitern und zu erheben, wie diejenige, die ich wie vom Geiste der Weissagung aufgeschwellet sehe, und ich fühle mich weggerückt nach Delos und in die Lycischen Hayne, Orte, welche Apollo mit seiner Gegenwart beehrte: denn mein Bild scheint Leben und Bewegung zu bekommen, wie des Pygmalions Schönheit. Wie ist es möglich, es zu malen und zu beschreiben.